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Krombacher Neujahrstreffen des NFV mit Starmoderator Gerhard Delling
Autor: NFV am 18.01.2018 - 14:00
Logo NFV„Ich habe es als Willkommensgeste empfunden. Sie war nicht despektierlich, wird sich aber auch nicht wiederholen. Da waren wir uns einig.“ Ohne Groll und viel mehr immer noch amüsiert blickt FIFA-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus auf die Szene zurück, die in Fußball-Deutschland für Heiterkeit sorgte und ihr aufgrund ihres souveränen Auftretens jede Menge weiterer Sympathien einbrachte. Hatte es doch Bayern-Star Franck Ribery im vergangenen Jahr im Pokalspiel gegen Chemnitz tatsächlich gewagt, der Unparteiischen die Schnürsenkel zu öffnen.

Beim 7. Krombacher Neujahrstreffen des NFV im Zechensaal des Besucherbergwerks Barsinghausen war es nicht allein diese Anekdote in einer kurzweiligen 60-minütigen Talkrunde, die rund 180 Gäste in ihren Bann zog. Dem einmal mehr gut aufgelegten Moderator Gerhard Delling gelang es vielmehr, den Ehrengästen des NFV, Weltschiedsrichterin Steinhaus und Lutz Michael Fröhlich, Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB und Projektleiter „Video-Assistent“, Wissenswertes rund um das Schiedsrichterwesen zu entlocken.

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Moderator Gerhard Delling, NFV-Präsident Günter Distelrath, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich (v.l.n.r.) - Foto: NFV


„Wieviele Fahnen hat der Papa im Keller“, möchte Delling eingangs von Bibiana Steinhaus wissen. Hintergrund: Vater Steinhaus hisst bei jedem internationalen Einsatz seiner Tochter die Flaggen der beteiligten Länder im heimischen Garten. Die Zahl der Fahnen ist der niedersächsischen Top-Schiedsrichterin zwar nicht geläufig, aber sie weiß, dass die Fahnenkunde a la Steinhaus senior für die benachbarten Kinder immer dann eine Herausforderung darstellt, wenn zum Beispiel Länder wie Ecuador im Winde wehen.

Der Video-Assistent ist laut Delling das „Lieblingsthema der letzten Monate“. Bibiana Steinhaus bekennt sich als „Fan des Assistenten“. Ihre einfache Begründung: „Ich möchte nicht der Schiedsrichter sein, der das Maradona-Handspiel übersehen hat.“ Im Zweifelsfalle sei der Assistent hilfreich, nehme dem Spielleiter letztlich aber die Entscheidung nicht ab. Ob der Assistent zur Institution werde, möchte Delling wissen. Die Weichen seien, auch für die WM 2018, erst einmal auf Assistent gestellt, weiß Fröhlich. Geduld sei gefragt, es werde noch justiert, so der Projektleiter, der den momentanen Verlauf des Experiments als gut bezeichnet. „Der Assistent kann uns einen Mehrwert bringen. Krasse Fehlentscheidungen werden identifiziert, es sollte allerdings auch nicht zu viel seziert werden.“

Bibiana Steinhaus hat als erste Frau in der Männer-Bundesliga „überwiegend positive Erfahrungen gemacht“, dabei aber die Strahlkraft des Fußballs unterschätzt. Die Hannoveranerin ist überzeugt, dass andere Länder dem Gleichstellungsbeispiel der Bundesliga nacheifern werden, denn „wenn die Leistung stimmt, spielt das Geschlecht keine Rolle. Leistung erzeugt Akzeptanz.“ Ob es das Ziel des DFB gewesen sei, eine Frau in die erste Reihe zu stellen, interessiert Delling. „Es war Bibianas Ziel und am Ende war die Zeit reif“, entgegnet Fröhlich. Steinhaus ist bewusst: „In Deutschland müssen sich viele Menschen erst einmal an eine Frau als Schiedsrichter gewöhnen.“

Als ein „Riesengeschenk“ bezeichnet es die 38-Jährige, in der Bundesliga dabei sein zu dürfen. Ihrem Dienstherrn, der Polizei Niedersachsen, ist sie dankbar, dass er es ihr durch Freistellungen ermöglicht, ihren Sport auszuüben. Steinhaus erinnert daran, dass sie Leistungssport betreiben müsse, denn: „Die Spieler werden nicht langsamer, weil ich als Frau der Schiedsrichter bin.“
 
Auch für Schiedsrichter gibt es gute und weniger gute Tage. „Gab es mal eine Phase, in der sie am Boden zerstört waren“, fragt Delling seine Gesprächspartner. Sowohl Steinhaus als auch Fröhlich haben diese Erfahrung gemacht. Steinhaus ist aber überzeugt: „Für jede Sportlerkarriere ist der Umgang mit Niederlagen entscheidend für die Entwicklung. Aus allen Situationen kann man etwas lernen.“ Fröhlich erinnert sich an ein Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und Werder Bremen, bei dem es für ihn als Unparteiischer überhaupt nicht rund gelaufen sei. Zu diesem Zeitpunkt beruflich überlastet, sei eine vierwöchige Schiedsrichter-Auszeit für ihn sehr hilfreich gewesen.

„Hätten Sie jemals gedacht, als Schiedsrichter auch Talkshows bedienen zu müssen?“ lautet die abschließende Frage von Gerhard Delling. „Ich finde es immer gut, zu kommunizieren“, sagt Fröhlich und Steinhaus begreift es als „Riesenchance, teilnehmen zu dürfen. Es ist eine tolle Möglichkeit, für die Schiedsrichterei zu werben.“
 
Für Günter Distelrath war es das erste Neujahrstreffen, das unter seiner Regie stattfand. Der NFV-Präsident freute sich in seiner Begrüßungsansprache, dass es gelungen war, das prominente Trio für die traditionelle Talkrunde zu gewinnen. Zu Bibiana Steinhaus verriet der 64-Jährige den Gästen: „Für den heutigen Abend war sie von Anfang an meine Wunschkandidatin als Talkgast.“ Ebenso sehr erfreut zeigte er sich, dass Lutz Michael Fröhlich und Gerhard Delling den Weg nach Barsinghausen eingeschlagen hatten.

Letzterer moderierte bereits zum fünften Mal das Krombacher Neujahrstreffen. Wie in der Vergangenheit verzichtete er auf sein Honorar, das erneut dafür verwendet werden soll, Kindern aus einem sozial benachteiligten Umfeld die Teilnahme an der Sparkassen-Fußballschule des NFV zu ermöglichen.

Neben einem kleinen Ausblick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland unterstrich Distelrath den hohen Stellenwert, den er dem Ehrenamt einräumt. „Es ist das Rückgrat, die Lebensader unseres Sport“, so der Präsident, der jedes Engagement vor allem als „ein Geschenk an Zeit“ ansieht. „Im niedersächsischen Fußball sind es über 50.000 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, die ihre Zeit anderen schenken und denen man dafür nicht oft genug Danke sagen kann!“ Distelrath betrachtet die ehrenamtliche Struktur im deutschen Fußball als einmalig in der Welt. Es gelte, sie zu bewahren.




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